Matthäusgemeinde Mannheim

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in Mannheim

Veranstaltungen

Hilfe Pubertät!

Vortrag von Dr. Andreas Hundsalz, Diplom-Psychologe

Dienstag, 15. Januar 19.30 Uhr
Bonhoefferhaus

Hilfe Pubertät - oder Eltern sind peinlich

Eben noch sanftes Schmusekätzchen, plötzlich kratzbürstig, abweisend und verschlossen. Eben noch sind die Eltern die Besten und die Größten, plötzlich sollen sie am besten vor den eigenen Freunden verborgen bleiben. Die Pubertät beginnt. Ihre Anzeichen kommen meist überraschend. Sie können je nach Temperament spektakulär ausfallen und eher unmerklich. Jedenfalls strebt die Kindheit so langsam aber sicher dem Ende zu. Dann aber auch wieder nicht, denn die Entwicklung ist nicht geradlinig sondern verläuft mal vorwärts, dann scheinbar mal rückwärts. Mal verhalten sie sich wie Erwachsene, dann wieder wie Kinder.

Das Verhalten pubertierender junger Menschen erscheint rätselhaft. Übrigens auch für die jungen Menschen selbst. Hormone überschütten das Gehirn und den Körper und stiften Unruhe. Die machtvoll aufkommende Sexualität verwirrt und ist den Pubertierenden oft selbst peinlich. Der junge Körper ist buchstäblich aus den Fugen geraten und versucht sich mitunter selbst zu verbergen. Das Ganze wird dann gerne kompensiert mit Provokationen, scheinbar selbstbewusster Attitüde und jeder Menge Übertreibungen. Tatsächlich wird das Gehirn umstrukturiert. Ein junger Mann meinte einmal im Rückblick, eigentlich müssten Pubertierende ein Schild vor dem Kopf tragen: wegen Umbau muss mit Behinderungen muss gerechnet werden.

Eltern können das Ganze kaum verstehen. Ohnehin hilft der psychologische Zugang nicht unbedingt weiter, denn Jugendliche wollen vordergründig gar nicht verstanden werden, auch wenn sie noch so viele Forderungen stellen. Waren die Eltern noch vor kurzem auf dem Podest der Verehrung gestanden, werden sie jetzt heftig herunter gestoßen. Eltern verhalten sich peinlich, sie sind peinlich. Und werden massiv abgewertet. Das tut weh. Denn als verständnisvolle Eltern wollen sie, wie bisher auch, helfen und unterstützen. Und werden in ihrem Bemühen doch immer wieder zurück gewiesen.

Aus all dem nun zu schließen, Eltern braucht es in dieser Lebensphase nicht mehr, wäre ein fataler Irrtum. Sie sind, so legen es Befragungen unter Jugendlichen nahe, auch jetzt noch die wichtigsten Orientierungspersonen für die jungen Menschen. Und werden gerade in einer Situation, in der der junge Mensch sich oft genug selbst ein Rätsel ist (was er und sie freilich nicht zugeben würde) dringend als Gesprächspartner und Haltgeber benötigt. Nur erfolgen die Gespräche eher überraschend und fast nebenbei und zwischendurch müssen Eltern immer wieder den schwierigen Balanceakt zwischen Verständnis haben und zeigen und Grenzen setzten bewältigen. Letzteres bleibt wichtig, denn die Neigung, die eigenen Kompetenzen zu überschätzen und Risiken einzugehen ist groß.

Ein Trost bleibt für alle Beteiligten: die Pubertät geht vorbei und der Rückblick auf die eigene Jugend zeigt doch, es ist noch immer gut gegangen, wie der Kölner zu sagen pflegt.

Eingeladen sind alle Betroffenen - Der Eintritt ist frei

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