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Impuls |13. November 2020

Gedanken zu LkEv 17,20-24

Vom Ende der Welt

Liebe Leserin, lieber Leser,

an den letzten Sonntagen des Kirchenjahrs steht ein merkwürdiges Thema im Zentrum der Gottesdienste: Das Ende der Welt und der Anfang des Himmelreichs. Es geht darum, dass Jesus wiederkommen wird, um uns zu erlösen aus allem, was uns bedrückt. Die Welt, wie wir sie kennen, wird ein Ende finden und einer besseren Platz machen. Lesen wir an verschiedenen Stellen der Bibel, etwa in LkEv 17,20-24.

            Die Botschaft vom Ende der Welt und das Ende des Kirchenjahrs im November. Jahreszeit und Thema scheinen auf den ersten Blick zusammen zu passen. Auf den zweiten Blick aber werden hier zwei vollkommen verschiedene Sachen zusammen gebunden. Der Herbst ist in unseren Breiten oft trüb, neblig, kalt und regnerisch. Die Tage werden kürzer. Dagegen die Aussicht auf das Ende dieser Welt und den Anfang des Himmelreichs: Die ist alles andere als trüb und dunkel. Sie ist hell und licht! Sie ist nichts weniger als die Aussicht auf unsere vollkommene Erlösung.

            Wer mit dieser Aussicht im Herzen lebt. Der hat schon jetzt einen Vorgeschmack auf das Himmelreich. Weshalb Jesus auch sagen kann zu Menschen, die sich darauf freuen, einmal alles, was ihnen schwer fällt, hinter sich zu lassen: Das Himmelreich ist mitten unter Euch!

            Beim Vorgeschmack auf das Himmelreich ist es wie mit der Vorfreude auf anderes. Auf den Feierabend. Auf den Urlaub. Auf die Kinder, die ihr Kommen angekündigt haben. Die Vorfreude läßt mich jetzt schon fröhlich sein. Freilich: Wie sieht es aus mit der Vorfreude auf das Himmelreich? Haben wir die überhaupt? Leicht ist es ja nicht, Vorfreude zu entwickeln auf etwas, was wie das Himmelreich unsere Phantasie bei weitem übersteigt. Beim Besuch von Kindern ist das anders. Man weiß, wie es ist, wenn sie kommen. Wie ein schöner Feierabend aussieht, weiß man auch. Ebenso, wie wohltuend eine Reise ist, wenn der Zielort nicht über Nacht zum Risikogebiet erklärt wird. Doch wie ist das mit dem Himmelreich?

            Bilder von Himmelreich haben wir wenige. Philipp Nicolai nennt es in seinem Lied "Wachet auf, ruft uns die Stimme" (EG 147) einen "Freudensaal". Ich stelle mir dabei einen hohen gotischen Kirchenraum vor wie die Sainte-Chapelle in Paris. Mit bunten Fenstern. Mitten im Raum eine große Tafel, festlich gedeckt. Die Menschen an der Tafel voller Freude und Dankbarkeit. In Ps 85 heißt es über das Himmelreich, es sei ein Ort, an dem sich Frieden und Gerechtigkeit küssen. Dass es dauerhaft friedlich und gerecht zugehen könne, ist in unserer Welt nicht vorstellbar. Im Himmelreich wird es so sein. Immerhin kennen wir Momente des Friedens und Momente, in denen so etwas wie Gerechtigkeit aufblitzt. Diese Momente können uns Vorgeschmäcker geben auf das, was kommt. Sie können Vorfreude auslösen auf das Himmelreich. Mit dieser Vorfreude zu leben, ist christliche Lebenskunst. Sie lässt uns aufmerksam und präsent werden in dieser Welt. Sie gibt uns einen klaren, realistischen Blick. Sie verhindert, dass wir uns weltenrettend überfordern.

Herzlich grüßt Pfarrer Alexander Bitzel

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