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Impuls | 11. November 2020

Ein Sonntagsspaziergang mit Jesus

Dialog zu Mk 2 Vom Ährenraufen

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  1. Ich würde auch gerne mal so einen Sonntagsspaziergang mit Jesus durch die Felder machen
  2. Ja, und zwischendurch immer mal wieder eine Brombeere naschen oder eine Walnuss knacken.

1. Hast du schon mal von der essbaren Stadt gehört?

2. Nein, aber das hört sich komisch an.

1. Andernach war die erste Stadt, die ihre öffentlichen Plätze und Blumenbete umgewandelt hat in Gärten, in denen Bürger Gemüse und Obst anpflanzen durften, nicht in erster Linie für sich selbst, sondern für jeden der vorbeischlendert. Wenn man da auf dem Rathausplatz eine reife Tomate sieht, darf man sie naschen! Andernach, eine essbare Stadt! Mittlerweile gibt es mehrere essbare Städte!

2. Das ist sehr schön, finde ich, und vielleicht auch notwendig, weil nicht mehr so viele Menschen überhaupt einen Bezug zur Landwirtschaft haben oder einen eigenen Garten, aus dem sie sich ernähren.

1. Dieses Jahr war allerdings ein richtiges Gartenjahr, da kamen einige fast nicht hinterher mit dem Ernten und Marmeladekochen und Apfelkuchenbacken.

Das stimmt. Wenn man einen eigenen Garten hat, dann braucht man die essbare Stadt nicht.

2. Die essbare Stadt erinnert mich an frühere Herbstspaziergänge meiner Kindheit, wenn wir am Waldrand Brombeeren und Pilze und an der Landstraße Äpfel und Birnen gesammelt haben.

1. Ja, das war Mundraub und irgendwie auch erlaubt, solange man die aufgesammelten Schätze nur selbst gegessen hat.

Mundraub, das ist bei der heutigen Landwirtschaft eigentlich gar nicht mehr vorgesehen.

2. Wie meinst du das?

1. In einem Kartoffelacker kann man heute keine Kartoffel mehr nachstoppeln, und auf einem abgemähten Getreidefeld hier in Feudenheim findet zwar der Storch seine Frösche, aber die biblische Ruth, die als Flüchtlingsfrau die Ähren einsammeln durfte, die die Erntehelfer des reichen Boas extra für sie übrig ließen, würde bei uns nichts mehr finden, dafür ist das Weizenfeld zu sauber und vollständig geerntet worden.

2. Ach, ich stelle mir das schön vor, als Jesus mit seinen Jüngern am Sabbat einen Spaziergang gemacht hat, und sie Ähren gerauft haben, weil sie kein Picknick dabei hatten.

1. Ja, die hatten Hunger und haben Mundraub gemacht, und ich hab das auch noch nie verstanden, warum das schlimm sein soll, so etwas am Sonntag zu tun.

2. Ich glaube, die Pharisäer wollten den Jüngern gar nicht unbedingt etwas verbieten, sie wollten einfach nur mal wissen, wie Jesus zum Sabbat steht. Und Jesus hat sich ja auch gleich auf eine Diskussion eingelassen.

1. Stimmt, es ging auch Jesus vielleicht gar nicht darum ob seine Jünger etwas richtig oder falsch gemacht haben. Es ging ihm eher ums Prinzip.

2. Er hat dann noch einen merkwürdigen Vergleich aus der Bibel herangezogen. Wie David auf der Flucht die Schaubrote im Tempel gegessen hat.

1. Ja, der David wäre verhungert, wenn der Priester ihm nicht von den Schaubroten zu essen gegeben hätte.

2. Aber so richtig passt das gar nicht, finde ich, die Jünger sind doch nicht auf der Flucht.

1. Vielleicht wollte Jesus einfach ein Beispiel erzählen, wo jemand zugunsten eines Menschen etwas gegen das Gesetz getan hat, wie der Priester, der dem David die Schaubrote zu essen gegeben hat.

2. Ja. Barmherzigkeit ist wichtiger als Opfer, wollte er damit vielleicht sagen.

1. Und vielleicht ist es ihm einfach eingefallen, weil er ja auch manchmal Davids Sohn genannt wurde, weil er in der Davidstadt Bethlehem geboren und später dann ja auch verfolgt wurde.

2. Auf jeden Fall wollte er sagen, dass es bei allen Gesetzen um das Wohl des Menschen gehen soll.

1. Ja, und auch die Einhaltung der Sonntagsruhe ist für den Menschen da, nicht umgekehrt.

2. Also wenn Ärztinnen und Krankenpfleger sich auch am Sonntag um ihre Kranken kümmern, dann ist das in diesem Fall wichtiger als die Einhaltung der Sonntagsruhe.

1. Ja, die einzelnen Bestimmungen sind vielleicht nervig, aber das Prinzip muss doch stimmen. Der Sonntag bleibt wichtig, trotz Ausnahmeregelungen.

2. So wie bei den Corona-Regeln. Wir wissen ja, dass Abstand, Hygiene und Mundschutz im Prinzip sinnvoll sind, damit sich die Krankheit nicht unkontrolliert ausbreitet, aber wenn jemand stürzt, helfe ich ihm natürlich trotzdem, auch wenn ich damit eine Corona-Regel nicht einhalte.

1. Genau, und wenn Menschenleben in Gefahr ist, brauchen wir eben auch Ausnahmen für die Sonntagsruhe.

2. Trotzdem ist es gut, dass Menschen auch heute für den Sonntag kämpfen, dass nicht jeder da arbeiten muss, sondern auch mal spazieren gehen kann und sich um Kinder oder Großeltern kümmert.

1. Ja, so ein Spaziergang. bei dem man die Hände durch das Feld streifen lässt und sich so richtig vorstellen kann, wie Jesus mit seinen Jüngern unterwegs war.

2. Ich hab mal gehört, dass der Sonntag eigentlich nur durch den christlichen Gottesdienst geschützt wird. Und wenn niemand mehr zum Gottesdienst ginge, dann könnte der Sonntag auch abgeschafft werden.

1. Tja, der Sonntag ist wie ein großer Baum für die Kirchgänger, aber in seinem Schatten hat die ganze übrige Gesellschaft auch noch Platz, selbst wenn sie nicht zum Gottesdienst gehen!

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