Matthäusgemeinde Mannheim

Evangelische

Gemeinde Feudenheim

in Mannheim

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Besinnung

aus dem Gemeindebrief zu Erntedank 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn ein Christenmensch aus Afrika einen evangelischen Gottesdienst im säkularisierten Westen Europas besucht, ist er in der Regel nicht wenig überrascht. In großen Kirchenräumen versammeln sich relativ wenige Menschen, die weit auseinander sitzen, vorzugsweise hinten. Gesungen wird von vielen eher in diskreter Lautstärke. Aufgestanden wird en bloc, Platz genommen ebenso. Liturgie gibt es nur sparsam. Gottesdienstliche Wiedererkennungseffekte sind – wenn überhaupt – blass. Umgekehrtes Szenario: Sie gehen in einen Gottesdienst afrikanischer Christen. Der Kirchsaal ist voll. Gesungen wird laut. Manche tanzen sogar zu den Liedern. Die Gemeinde lauscht nicht still der Predigt, sondern ruft „Amen“ und anderes dazwischen. Und dann findet vorne eine Dämonenaustreibung statt. Sie sind befremdet. Sie sagen zu ihrem Nachbarn: Ich finde, der Mensch da vorne, an dem die Austreibung vorgenommen wird, braucht einen Psychiater. Dämonenaustreibung sind für mich hochproblematisch. Ihr Nachbar sagt: Wenn Jesus der Bibel zufolge irgendetwas kann, dann doch Dämonen austreiben. Was soll da dein Psychiater?

Was passiert, wenn Christenmenschen aus vollkommen anderen kulturellen Zusammenhängen einander begegnen? Können sie sich gegenseitig als Christen erkennen? Wen erkenne ich selber als Bruder/Schwester in Christo? Sind für mich alle, die von sich sagen: „Ich bin Christ“ für mich Christen? Entscheide ich über das Christsein von anderen? Mit solchen Fragen habe ich mich beschäftigt im Rahmen meines Kontaktstudiums, das ich in diesem Jahr von April bis Juli absolviert habe. Es war eine sehr dichte und lehrreiche Zeit. Viele Anregungen habe ich bekommen.

Der weltweite Protestantismus, zu dem auch unsere Gemeinde in Feudenheim gehört, ist ein unendlich bunter Kosmos. Etwas salopp könnte man sagen: es gibt in ihm nichts, was es nicht gibt. Was verbindet die Christenmenschen untereinander? Ist es das Bekenntnis zu Jesus als dem Sohn Gottes? Offiziell, will sagen: nach den in unserer Badischen Landeskirche geltenden Bekenntnisschriften kann die Antwort auf diese Frage nur „Ja“ lauten. Doch wie sieht die Predigtpraxis in den Gemeinden unserer Landeskirche aus? Wird hier Jesus als Sohn Gottes treu bekannt? Ist es am Ende nur der Text des Vaterunsers, der die Christenmenschen weltweit zusammen bindet? Lassen Sie uns bei Gelegenheit darüber nachdenken.

Seien Sie auch in diesem Herbst herzlich eingeladen zu den vielfältigen Veranstaltungen unserer Kirchengemeinde. Bis bald!

Ihr Alexander Bitzel

 

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