Matthäusgemeinde Mannheim

Evangelische

Gemeinde Feudenheim

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aus dem Gemeindebrief zu Passion und Ostern 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

Was steckt dahinter? Manch ein Altar und Kreuz wird am Karfreitag liturgisch verhüllt, und der Tempel in Jerusalem hatte vor dem Aller Heiligsten einen immer verschlossenen Vorhang, der allerdings an Karfreitag für immer aufriss. Der Tempel, den die Römer im Jahre 70 n.Chr. zerstörten, ist bis heute nur noch als Klagemauer präsent. Der Vorhang vor Jesus ist als offenes Geheimnis in der Welt.

Was steckt dahinter? Die 50.Ausgabe des Gemeindebriefes der Evangelischen Gemeinde Feudenheim schmückt das Bild eines nicht liturgisch verhüllten Altarraums. Sieht beinahe aus wie ein Kunstwerk von Christo, ist aber der lange erwarteten Sanierung des Chorraums der Johanneskirche geschuldet. Es gibt Kinder in unserer Gemeinde, die haben was dahinter steckt noch nie unverhüllt selbst gesehen, die Fenster der Johanneskirche z.B., und zwar deshalb, weil uns die Baustelle schon so lange begleitet, wie sie alt sind. Die Fenster erzählen von Gottes bunter Heilsgeschichte, wie jeder Gottesdienst in welcher Kirche auch immer. Und die Frage ist berechtigt: was steckt hinter diesen biblischen Geschichten?

Was steckt dahinter? Wir haben versucht, aus diesem so schmerzlich dauerhaften und nun neu verhüllten Baustellen-Gerüst das Beste zu machen: die Kulisse für Gottes Heilsgeschichte, für Stall oder Tempel, für Krippenspiel und Kindermusical. Mal sah man im Dreiecksgibel des Bau-Gerüstes den Stern, mal den hebräischen Namen Gottes, den ein frommer Jude nicht ausspricht, um das Geheimnis Gottes zu schützen. Dieser Name Gottes bedeutet „Ich bin da“, nicht nur im brennenden Dornbusch und als Segen und Geleit in Wüstenzeiten, sondern auch bei Hochzeiten und Taufen und Konfirmationen. Gott spricht: ich bin da in den inneren und äußeren Baustellen Eures Lebens, - wenn auch oft verhüllt. Wir hoffen, dass nach Ostern der Chorraum dem Namen Gottes wieder unverhüllt die Ehre gibt, wenn wir dort sein Wort hören und sein Mahl feiern und in seine Gemeinschaft eintauchen.

Was steckt dahinter? Jesu letzter Besuch des Jerusalemer Tempels mit verhülltem Allerheiligsten war eine Demonstration für ein prophetisches Wort: das Haus Gottes soll ein Bethaus und keine Räuberhöhle sein! Jesu erster Besuch im Jerusalemer Tempel erzählt uns aber, dass es nicht nur ums Beten sondern auch ums Diskutieren geht. Gerade 12-jährige wollen es wie der 12-jährige Jesus im Tempel genauer wissen und machen sich ihre Gedanken, z.B. über die Zukunft dieses Planeten. Diese Thematik greifen wir mit dem sogenannten Grünen Gockel auf. Manchmal staunen die Alten über die Jungen. Wir alle können als Christen nicht nur miteinander sondern sogar mit Gott diskutieren im Gebet, in Klage und Dank, und das Ende auch dieser Diskussion ist noch nicht in Sicht.

Was steckt dahinter? Lesen Sie nach, worüber wir als Christen in Feudenheim gerade diskutieren: ein neues Bonhoefferhaus mit Kindergarten hat uns bei der Gemeindeversammlung beschäftigt. Auch in den angezeigten Gottesdiensten der Passions- und Osterzeit, den Konfirmationen und Konzerten und Ausstellungen geht es um die Frage: was steckt dahinter, wenn wir von Kreuz und Auferstehung reden und als Christen unseren Glauben und unsere Hoffnung leben und stellvertretend für andere dem Frieden nachjagen.

Was steckt hinter unseren Zweifeln? Auch diese Frage ist erlaubt: Die Jagd nach Frieden vielleicht? Sie ist eine lebenslängliche und gemeinsame Aufgabe, die durch alle unterschiedlichen Verhüllungen, auch die Hüllen des Zweifels und der Trauer, durchdringen soll. Die Jagd nach Frieden mobilisiert hoffentlich alle Kräfte und Freuden und Potentiale, die Gott uns gegeben hat.

Das wünscht uns allen in der kommenden Osterzeit Ihre

Pfarrerin Dorothee Löhr

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