Matthäusgemeinde Mannheim

Evangelische

Gemeinde Feudenheim

in Mannheim

Meldungen

Besinnung

Die Hirten auf dem Feld bei Bethlehem gehören zu einer Geschichte, die den meisten von Jugend an vertraut ist. Wenn man in der Kirche den Satz hört "und es waren Hirten in derselben Zeit, die hüteten des Nachts ihre Schafe", weiß man: Ich bin in einem Weihnachtsgottesdienst gelandet und heute ist Heiligabend.
Die Vertrautheit der Weihnachtsgeschichte ist allerdings nicht ohne Tücke. Denn je vertrauter uns etwas ist, desto weniger meinen wir oft, genau hinhören zu müssen. Das ist im Fall der Hirten bedauerlich. Denn die Hirten sind weit mehr als altvertraute Figuren aus der Weihnachtsgeschichte. Sie gehören zu den ersten, denen Gott das Weihnachtsevangelium verkündigen lässt. Als arme Niedriglöhner machen sie uns deutlich: Gott erwählt diejenigen, die wenig irdisches Prestige und keinerlei Macht haben. Es sind nicht römische Offiziere oder Minister, die als erste von Jesu Geburt erfahren und diese verkündigen, sondern eben diese Hirten. Offiziere und Minister, also Menschen aus der damaligen gesellschaftlichen Elite, kommen erst später zur Gruppe von denen hinzu, die das Evangelium Gottes in die Welt hinaus tragen.
Die Hirten stehen zum zweiten für die biblische Rede davon, dass Gott selber ein Hirte ist, genauer: ein Hirte unserer Seele. Konfirmanden lernen heute noch den Psalm 23 auswendig. Jesus bezeichnet sich in
Joh 10,11 als guten Hirten. Das Hirtenbild besagt: Gott schützt und behütet uns. Er kümmert sich um uns. Er sorgt sich um uns. Er verteidigt uns gegen Angriffe der Wölfe, die in der antiken Welt noch nicht unter strengem Naturschutz standen.
Drittens stehen die Hirten für ein soziales Idyll, für ein einfaches und beschauliches Leben, das naturverbunden und nicht von permanenter Hektik geprägt ist. Das Hir­tenidyll war vor ca. 350 Jahren zahlreichen Dichtern ein Leitbild. Sie schlossen sich zu Zirkeln zusammen, die sich Schäferzirkel nannten und Schäferdichtung verfassten und miteinander besprachen. Einen berühmten Kreis dieser Art, der sich „Pegnitzschäfer“ nannte, gab es in Nürnberg. Leiter dieses Kreises war der Dichter Sigmund von Birken (1626-1681), von dem wir noch zwei Lieder im Gesangbuch haben (EG 88 und 384).
Hirten standen sozial am Rand. Sie gehören zu den ersten Empfängern des Weihnachtsevangeliums. Sie stehen für Gottes Fürsorge. Ihre Art zu Leben wurde romantisiert und als Dichtungsinspiration genommen. An Weihnachten begegnen wir wieder den Hirten auf dem Feld bei Bethlehem. Schauen wir sie uns genau an. Und lassen wir uns durch sie hineinnehmen in ein Leben, das vom Licht der Weihnacht geprägt ist, das sich nicht um soziales Prestige kümmert, das naturverbunden und inspiriert ist und das in der Kraft des Heiligen Geistes für andere Menschen da ist.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.
Ihr Alexander Bitzel

Zurück