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aus dem Gemeindebrief zu Erntedank 2018

Liebe Leserin, lieber Leser,
die meisten von uns wissen, dass der Brunnen auf unserem Gemeindebrief zwar der originale ist, aber nicht am originalen Ort steht. Ja eigentlich ist er gar kein Brunnen mehr, weil kein Wasser drin ist. Auch seine Kopie auf dem Feudenheimer Rathausplatz ist nur ein Denkmal. Aber das macht nichts.
Die Feste rund um den Brunnen mit Blick auf die Johanneskirche und das schöne Pfarrhaus gehören für mich trotzdem zu den Highlights unseres Gemeindelebens. Da können wir noch anderes schöpfen als Wasser im wörtlichen Sinn – Gemeinschaft und Hoffnung, Lebendigkeit und Trost!
Ein Brunnen war auch früher schon mehr als ein Brunnen, er war das Einwohnermeldeamt. Jeder Fremde musste dorthin, wenn er nicht verdursten wollte, er wurde bemerkt und angesprochen. Der Brunnen war so auch die wichtigste Nachrichtenzentrale für Neuigkeiten aller Art.
Und am Brunnen verliebte man sich! Das Lied: Am Brunnen vor dem Tore singt davon.
Auch die Bibel ist voll von solchen anrührenden Brunnengeschichten: Wendepunkte in der Familiengeschichte Abrahams, Isaaks und Jakobs (1.Mose 24 oder 2.Mose 2,16ff). Die Samariterin fand am Brunnen, dem Jakobsbrunnen, ihre große Liebe: Jesus Christus (nachzulesen in Johannes 4).
Ich liebe Brunnen aller Art, obwohl ich sehr dankbar bin, dass ich nicht mehr jeden Tag mehrfach mit einem Krug auf dem Kopf zum Brunnen laufen oder stundenlang irgendwelche Plastik-Container füllen muss, um duschen, kochen oder waschen zu können. Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir sauberes Trinkwasser aus der Leitung haben und hier in Mannheim auch keinen Wassermangel kennen. Dass wir damit sehr privilegiert sind, merkte ich besonders deutlich beim Lesen eines schönen Buches:
Die Geschichte des Wassers von Maja Lunde (ISBN: 978-3-442-75774-9, 480 Seiten, 2018 erschienen im btbVerlag, € 20,00)
Dieser zweite Roman der Norwegerin hat mir noch besser gefallen als ihr erster zu den Bienen. Es sind diesmal nicht drei sondern zwei Erzählstränge von zwei Vätern und ihren Töchtern, die sich abwechseln und am Ende verbinden:
2017 – eine 70jährige Umweltaktivistin zerstört mit der ganzen Wutenergie ihres Lebens die norwegische Gletscher-Eis-Ernte der Firma ihres Jugendfreundes, eine wuchtige Symbolhandlung, die an die Propheten des Alten Testamentes erinnert.
24 Jahre später – ein junger Vater mit 7jähriger Tochter versucht als Flüchtling im vertrockneten Südfrankreich zu überleben. Eine Meereswasser-Konvertierungs-Firma geht in Flammen auf und im Flüchtlingslager geht alles drunter und drüber. Das ist für mich eine moderne Arche-Noah-Geschichte, denn ein Boot gibt trotz tödlicher Trockenheit Hoffnung zu überleben.
Wassererfahrungen in allen Variationen und biografischen Bedeutungen nehmen die Leser mit und machen dankbar und achtsam für jeden Tropfen. Stoff für literarisches und ökologisches Meditieren am Brunnen. Und jeder kommende Sommerregen wird mich ab jetzt an das Ende dieses Buches erinnern …
Dass alle – auch aus diesem schönen Gemeindebrief – Kraft und Hoffnung schöpfen, wünscht Ihnen und Euch
Dorothee Löhr, Pfarrerin

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