Matthäusgemeinde Mannheim

Evangelische

Gemeinde Feudenheim

in Mannheim

Meldungen

Besinnung

aus dem Gemeindebrief Advent/Weihnachten 2015

Neulich erreichte mich ein Anruf. Ein Herr bedankte sich bei mir für eine Einladung, die er von unserer Gemeinde bekommen hat. Bei dieser Gelegenheit erzählte er mir, dass er nach dem Krieg als Flüchtling nach Feudenheim gekommen sei. Quartier habe er im katholischen Gemeindehaus „Prinz Max“ gefunden. Der damalige Pfarrer Kammerer und sein Vikar haben sich mit großem Einsatz um die Flüchtlinge gekümmert. Die aktuelle Situation bei uns erinnerte den Anrufer an diese lange zurückliegenden Erlebnisse. Mir wurde aufs Neue deutlich, dass viele Menschen in unserer Kirchengemeinde und in unserem Ort Fluchterfahrungen in ihrer Biografie haben. Ihnen wurde damals auch von der Kirche geholfen. Wenn wir uns heute als Christinnen und Christen in ökumenischer Verbundenheit um die Flüchtlinge auf dem Spinelli-Gelände kümmern, stehen wir in einer guten alten Tradition.

Auch Jesus hat als neugeborenes Kind eine Flucht mitmachen müssen. Es handelt sich um eine relativ unbekannte Geschichte, die uns das Matthäusevangelium im Umfeld der Weihnachtserzählung überliefert (Mt 2,13-15): Die heilige Familie flieht vor den Häschern des Herodes nach Ägypten. Sie kehrt nach dem Tod des Königs Herodes wieder zurück in ihre Heimat.

Bei Johann Michael Dilherr (1604-1669), dem seinerzeit berühmten Prediger in Nürnberg, habe ich einmal gelesen, dass das Gold, das einer der Weisen aus dem Morgenland Jesus im Stall geschenkt hat, dazu diente, die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten zu finanzieren. Eine wunderbare Interpretation des Goldgeschenkes ist das, welche uns in die harte Gegenwart verweist. Denn Flucht kostete damals wie heute Geld. Die meisten von denen, die auf dem Spinelli-Gelände leben müssen, haben sehr viel Geld aufgebracht, um dem Elend in ihrer Heimat zu entkommen. Sie sind jetzt heimat- und mittellos. Sie brauchen dringend unsere Hilfe und Solidarität.

Anfang Oktober haben wir unser Epiphaniashaus geöffnet für ein Flüchtlingsforum, welches Informationen geben und Engagement bündeln wollte. Das Forum war ein großer Erfolg. Der Saal war voller engagierter Bürgerinnen und Bürger. Am 27. November wird ein weiteres Forum dieser Art folgen. Auch wir als evangelische Gemeinde machen mit. Ein Beispiel, wie die evangelische Gemeinde hilft, sind die monatlichen Friedensgebete, die wir seit November veranstalten.

So gehen wir in die anbrechende Advents- und Weihnachtszeit. Für diese wünsche ich Ihnen Gottes Segen. Kommen Sie in Ihre Gemeinde – und tun Sie es in der freudigen Erwartung, dass Jesus Christus auch in Ihr Herz einzieht und auch Ihnen erfahrbar macht: Weihnachten, das ist für mich heute!

Ihr Pfarrer Alexander Bitzel

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