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Besinnung |22. September 2020

aus dem Gemeindebrief zu Erntedank 2020

Liebe Gemeindebriefleserin und Leser,

backen Sie selbst Brot? Haben Sie sich am Anfang der Coronazeit Mehlvorräte angelegt? Ich habe bisher noch nie mit echtem Sauerteig gebacken, immer nur mit Hefe. Aber ich bin jedes Mal fasziniert, wie wenig Hefe für ein ganzes Kilo Mehl ausreicht! Deshalb spricht mich das kürzeste der Gleichnisse Jesu sehr an:

Das Himmelreich gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis er ganz durchsäuert war. (Matthäus 13,33)

Das kürzeste der Gleichnisse Jesu fasziniert mich ganz besonders, denn es ist ganz einfach und doch sehr tief: Sehr wenig Sauerteig entfaltet in der Tat eine sehr große Kraft! Sehr wenig Sauerteig reicht, um sehr viel Mehl zu Brot aufgehen zu lassen! Kleines Ding – große Wirkung, damit kennen wir uns gerade gut aus. Was sagt Jesus uns mit seinem kleinen Gleichnis?

1. Das Gleichnis vom Brotbacken stimmt uns schon auf den Erntedanktag ein, wo wir nach langer Zeit das Abendmahls-Fasten brechen wollen. Die katholischen Geschwister haben es uns Corona-tauglich vorgemacht. Am 4. Oktober ist es so weit. Wir teilen Brot und Wein und folgen damit dem Gebot Jesu. Wir teilen damit auch die Vorfreude auf die Gemeinschaft im Himmelreich.

2. Aber das Gleichnis vom Himmelreich spricht uns auch als kleiner werdende Kirche Mut zu. Es stärkt den Glauben, dass auch wenige Christenmenschen doch einen großen Unterschied machen. Ja, jede und jeder einzelne Christenmensch, wir gemeinsam sind der Sauerteig!

Auch wenn die absolute Zahl der Kirchenmitglieder weniger wird – nicht in China, aber in Deutschland – jeder einzelne Christenmensch kann doch auch hier einen Unterschied machen in seiner Familie, an seiner Arbeitsstelle, in der Schule und in der Gesellschaft überhaupt! Wir sind untergemischt in den Alltag unserer Gesellschaft mit unseren Fragen, mit dem, was Gott uns gibt an Glaube, Liebe und Hoffnung. Das sind die Zutaten des Himmelreichs!

3. Durch die Corona-Zeit sind wir mehr oder weniger durchgeknetet worden. Können wir etwas aus diesen Erfahrungen mitnehmen und lernen? Die neue Wertschätzung des Alltags vielleicht? Es sind die kleinen Entdeckungen, die eine große Wirkung entfalten werden. Hätten Sie z. B. gedacht, dass Schulkinder eine Sehnsucht auf Schule entwickeln? Eine Sehnsucht nach ganz normalem Alltag? Das ist ein kleiner Anfang, der seine Wirkung entfalten wird!

Die Krise ist dabei wie ein Brennglas, vieles hat sich noch nicht geändert, ist nur klarer in den Blick gekommen. Die neue dankbare Achtsamkeit für die unmittelbare Umgebung, für gute Nachbarn und großzügige Gärten, für freundliche Alltagskommunikation und selbstverständliche gegenseitige Unterstützung im Alltag, das sind die Zutaten des Himmelreichs. Wir alle können sie untermischen.

Wir können uns einmischen mit unseren Erfahrungen, mit unserem Glauben, mit unserer Liebe und Hoffnung, und der Sauerteig unserer Gesellschaft sein. Wir tragen und heben mit und sorgen dafür, dass gutes Brot gebacken wird, das Brot des Lebens, von dem alle satt werden.

Bleiben Sie behütet und möglichst gesund!

Ihre Dorothee Löhr

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