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Impulse und Neuigkeiten

Besinnung |1. Advent 2020

aus dem Gemeindebrief zu Advent und Weihnachten 2020

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

neulich im Religionsunterricht der 3. Klasse: Mose ist Thema. Er wird am brennenden Dornbusch von Gott beauftragt, das Volk Israel aus der ägyptischen Sklaverei in die Freiheit zu führen. Zum Pharao soll Mose gehen und sagen: Lass mein Volk Israel ziehen! Mose versucht, aus der Nummer rauszukommen. Am Ende fügt er sich dem Auftrag Gottes. Er geht zum Pharao. „Lass mein Volk ziehen!“ Sagt er. Der Pharao lässt die Israeliten naturgemäß nicht ziehen. Bauen sie ihm doch mächtige Paläste, die so prächtig und stabil sind, dass sie bis heute Touristen aus aller Welt anlocken. Die pharaonische Ablehnung ist für Gott kein Grund, von seinem Plan Abstand zu nehmen. Die Israeliten will er aus der Sklaverei befreien. Mit zehn Plagen wird der Pharao weich gekocht. Mose kündigt die Plagen an. Sie ziehen durchs Land: Frösche, Stechmücken, Heuschrecken und andere Schrecklichkeiten. Nach der zehnten Plage lässt der Pharao die Israeliten entnervt ziehen.

Schulkinder reagieren auf die Geschichte von den zehn Plagen mit einer Mischung aus Grusel und Faszination. So gut wie nie mit Ängsten. Um zu erklären, was eine „Plage“ ist, habe ich in diesen Tagen darauf hingewiesen, dass „Corona“ eine Plage sei. Spontane Reaktion der Klasse: „Corona buhhhh!“ Daumen nach unten werden gereckt. Drittklässler verstehen gut, was zurzeit geschieht.

Im November erleben wir einen Wellenbrecher-Lock-Down. Es fühlt sich an wie im Frühjahr. Für viele ist es schlimmer als im Frühjahr. Menschen aus Gastronomie und Kreativwirtschaft haben zum zweiten Mal Berufsverbot. Viele wissen nicht, wie sie ihre Miete bezahlen sollen. Wir als Kirchengemeinde dürfen auf keinen Fall diese Situation schönreden. Mit Floskeln wie: „Alles hat etwas Gutes – Krise als Chance – Krise als Zeit der Besinnung – Toll, was wir als Kirche aus dieser Situation machen!“. Würden wir uns so einlassen: Spott und Zynismus träfen uns zurecht. Darum: Gehen wir in die Aktion. Fordern wir Menschen auf, verantwortlich mit der Situation umzugehen. Halten wir uns selber an die AHA-Regeln. Tun wir nicht so, als ob wir den Schuss nicht gehört hätten.

In hessischen Bahnhöfen findet sich dieser Tage ein Plakat. Es zeigt einen Koch. Mit beiden Daumen hoch sagt er: „Halt Dich an die Regeln, dann behalt ich meinen Job!“ Dieses Plakat rührt mich an. Es bringt unsere Situation auf den Punkt. Wenn wir die AHA-Regeln beachten, helfen wir anderen. Dann tragen wir dazu bei, dass andere ihren Job behalten. Dass die Zahl der Arbeitslosen nicht steigt. Dass die Zahl der Verzweifelten nicht größer wird. Es geht nicht nur um uns persönlich. Es geht um die anderen. Helfen wir dabei, die Corona-Plage im Zaum zu halten. Weich gekocht werden muss bei uns niemand. Keine*r von uns baut gegenwärtig Paläste. Viele von uns stehen mit dem Rücken zur Wand. Wir brauchen Zuspruch und Gottes Energie. Tun wir nicht so, als ob wir Pharaonen wären, die sich nicht an Regeln halten müssten, in der Art: „Hauptsache ich werde nicht krank – Bei mir daheim gibt es eine Quarantänesituation, aber egal: ich lade Freunde ein, es wird schon nichts passieren.“

Leben ohne Rücksicht auf andere war gestern. Heute ist die Zeit, in der wir uns um andere kümmern können. Nicht zuletzt in der Adventszeit.

Mit guten Wünschen bin ich

Ihr Pfarrer Alexander Bitzel

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