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Besinnung | Advent/Weihnachten 2021

aus dem Gemeindebrief Nr. 62 - Advent/Weihnachten 2021

Liebe Gemeindemitglieder,

was verbinden Sie mit dem November? Ich denke an Spaziergänge im leichten Nieselregen; an ein graues Panorama, von dem sich gelbe Blätter abheben. Ein letzter Gruß des goldenen Herbstes, der über nasskalte Eintönigkeit hinwegtröstet. Immer wenn ich diese Bilder bewusst wahrnehme, kommt mir das Lied „November Rain“ von Guns N’ Roses in den Sinn. Die Rockballade erzählt von der Brüchigkeit einer Beziehung, exemplarisch verdichtet in der Liedzeile: „It’s hard to hold a candle in the cold november rain“ (Es ist schwer, im kalten Novemberregen eine Kerze zu halten).

Die Brüchigkeit von Beziehungen, die Brüchigkeit von Leben stehen mir im November besonders stark vor Augen. Davon zeugen auch die kirchlichen Feste. Das Totengedenken rahmt den Monat: in der katholischen Kirche steht Allerheiligen/Allerseelen am Beginn und in der evangelischen Kirche der Ewigkeitssonntag am Ende des Monats; dazwischen gesellt sich der staatliche Volkstrauertag dazu. Die Brüchigkeit des Lebens ist fest im Trauermonat verankert. In der evangelischen Kirche bildet der Buß- und Bettag die Mitte des Monats. Er lädt uns ein, unsere (brüchige) Beziehung mit Gott zu bedenken und neu zu formieren.

Der November ist eine Zeit, in der die Wärme, die Farben und das Licht des Sommers vorerst zum Erliegen kommen und adventliche Stimmung noch nicht so recht aufkommen will – trotz der Lebkuchen und Schokonikoläuse im Supermarkt. Eine Zwischenzeit im Zwielicht, in der das ausklimmende Licht erst wieder neu entfacht werden will. Gleich einem Nebel, der sich über die Jahreszeit breitet, wovon auch alte Namen für den November zeugen: Nebelung, Nebelmond. Doch die Alltagserfahrung lehrt uns, dass Nebel nicht für immer bleibt und jede Zwischenzeit ihr Ende findet. Oder um es mit Guns N’ Roses zu sagen: „’Cause nothin’ lasts forever, even cold November rain“ (Denn nichts hält ewig, auch kalter Novemberregen).

Wie so oft bricht auch in diesem Jahr das Licht der ersten Kerze des Adventskranzes in den November hinein. Und mit ihr der Verweis auf das Licht der Welt. Für uns Christinnen und Christen ist dieses Licht die Antwort auf das flehentliche Suchen, mit welchem die Rockballade endet: „Don’t ya think that you need someone? Everybody needs somebody“ (Glaubst du nicht, dass du jemanden brauchst? Jeder braucht jemanden.). Dieser Jemand ist für uns Christus, das Licht der Welt.

Jesu Licht ist ein Licht, das die Brüchigkeit von Beziehung wiederherzustellen vermag, ein Licht, das die Brüchigkeit des Lebens überwindet und zur Auferstehung leuchtet, ein Licht, das selbst das Zwielicht erhellt, die Nebel zerreißt.

Ich wünsche Ihnen, dass das Licht Christi Ihr Leben erleuchtet – auch an Tagen mit Novemberregen.

Ihr Vikar Johannes Vortisch

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