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Besinnung | 5. Juni 2020

Verantwortung teilen (2. Mose 18 und 4. Mose 11)

Gedanken zum Leben in der Corona-Wüste

Als Mose in der Wüste nicht mehr konnte, nahm er einen Rat an: er verteilte die Last der Verantwortung auf Viele. Der Schwiegervater hatte nämlich gemerkt: du machst dich zu müde, du kannst es allein nicht ausrichten. Suche dir redliche Leute, die Gott fürch­ten, wahrhaftig sind und dem ungerechten Gewinn Feind. Die sollen richten über das Volk. So ist nicht mehr nur einer verantwortlich, dass alle den richtigen Weg nehmen. So kann das ganze Volk an seinen Ort kommen! – Soweit die alte Wüstenerfahrung.

So haben wir das gerade auch in unserer gegenwärtigen Corona-Wüste erlebt. Es wäre unmög­lich gewesen ein Volk durch die Krise zu bringen, ohne dass alle Verantwortung übernommen und mitgemacht hätten. Es wäre unmöglich gewesen, Corona-Gesetze durchzusetzen ohne die Verantwortung zu verteilen. Die Kanzlerin kann Empfehlungen geben, aber die einzelnen Bun­desländer und die Kommunen müssen das Bundesgesetz anpassen und selbst verantworten: Ja, jeder und jede einzelne ist für die Einhaltung des Abstandsgebotes und die Maskenpflicht mit­verantwortlich. Nur so konnte es gehen. Nur so kann es weitergehen.

So schön dieser Tage manche Lockerungen sind – viele haben allerdings auch schon erlebt, wie mühsam es ist, jeden Tag andere Bestimmungen zu bekommen und sie verantwortlich umzuset­zen. Kreative Lösungen müssen vor Ort verantwortet werden. Verantwortung muss verteilt wer­den zum Wohle aller. Trotzdem bleibt es wahr: Die Gebote sind im Prinzip dazu da, das Leben zu schützen und nicht unnötig die Gewissen zu beschweren. Die Gebote sind für den Menschen da, nicht der Mensch für die Gebote! Mitdenken und Mitverantwortung ist auch bei uns gefordert bei der Umsetzung der Bestimmungen vor Ort und ins wirkliche Leben. Finden sich in unserer Corona-Wüste genügend redliche Leute, die ohne Eigennutz bereit sind für die Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen? Wo weht der Geist, der lebensförderlich die Lasten für sich und andere leichter macht?

Die unbedingt notwendige Teilung der Last und Verantwortung wird für Mose in der alten Wüs­tengeschichte noch ein zweites Mal erzählt, auch da klagt er, dass ihm alles zu viel wird. Er ver­gleicht sich mit einer Amme, die nichts mehr zu Essen und zu Stillen hat für ihr jammerndes und hungerndes Kind. Hier merkt Mose selbst: Es dauert zu lang, ich kann das Volk nicht allein tra­gen, denn es ist mir zu schwer.“ Diesmal handelt Gott selbst: er teilt den Geist, den er auf Mose gelegt hat, auf 70, damit sie ihn unterstützen, jeder in seinem Umfeld.

So geht Pfingsten in Wüstenzeiten auch für uns: Gott selbst sucht sich Leute, die wissen, wes Geistes Kind sie sind, denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder! Erfüllt vom Geist tragen sie „ganz von selbst“ mit zum Wohle aller – Verantwortung für sich und andere, für Nachbarn und Risikogruppen, für sich selbst und für ihr Umfeld.

Gottes Geist verteilt die Verantwortung auf viele. Es sind viele Gaben – aber es ist sein Geist. So gibt es auch viele geistvolle Ideen für unsere gemeinschaftlichen Probleme. Nur gemeinsam können sie gelöst werden. Gottes Geist verbindet uns auch in der Zerstreuung. Jeder und jede kann etwas beitragen an seinem Ort und zu seiner Zeit!

Bleiben Sie fröhlich, behütet und möglichst gesund!
Ihre Pfarrerin Dorothee Löhr

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