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Besinnung | 3. April 2020

Gedanken zum Leben in der Corona-Wüste

Ich bin der Herr, dein Arzt (2. Mose 15,26)

Das Volk Israel auf Wüstenwanderung. Die Tage sind lang. Die Sonne brennt. Durst ist täglicher Begleiter. Wasserquellen aufzutun gestaltet sich als schwierig. Drei Tage fand Israel in der Wüste hinter dem Schilfmeer kein Wasser. Da endlich: eine Oase. Doch das Wasser ist ungenießbar. Das Volk wird unwillig. Beschwert sich bei Mose. Er hatte zum Aufbruch geblasen aus Ägypten. Jetzt ist man frei, aber kurz vor dem Verdursten. In seiner Ratlosigkeit wendet sich Mose an Gott. Er schreit zu Gott. Hatte wohl selber auch brennenden Durst. Gott hilft. Wie so oft beim Zug Israels durch die Wüste. Gott macht Mose kurzzeitig zum Lebensmittelchemiker. Ein spezielles Holz, das am Teich wächst, soll er ins Wasser werfen. Das Holz macht über einen chemischen Prozess das Wasser trinkbar. Israel ist fürs erste gerettet. In einem Schlussstatement hält Gott fest: „Ich helfe euch, wenn ihr mir gehorcht. Ich bin der Herr, euer Arzt!“

Dass Gott heilen kann, gehört zu den Grundüberzeugungen in der gesamten Bibel. Gott einen Arzt oder – das passt besser zur Geschichte mit dem Holz – Apotheker zu nennen, war in unserer Kirche viele Jahrhunderte hindurch üblich. Zwischen Arzt und Apotheker unterschied man dabei nicht scharf. Heutzutage ist die Rede von Gott als Heiler umstritten. Aus zwei Gründen. Zum einen haben wir die geistliche Heilkunst Gottes nicht mehr im Blick. Zum anderen wollen wir es genau wissen. Wir fragen: Bei welchen Krankheitsbildern kann Gott helfen? Kann Gott einen Beinbruch heilen? Eine Depression? Kann er eine Infektion mit COVID-19 heilen? Und was ist, wenn er es nicht tut?

Wer solche Fragen stellt, findet sich wieder in tiefer Anfechtung. Zu Zeiten der Pandemie und außerhalb derselben. Die traditionelle Rede von Gott als Heiler ist da viel weiser. Sie bezieht Gottes Heilkunst auf unsere geistliche Verfassung. Sie weiß: Am Ende des Tages kommt es auf diese an. Sie macht, dass wir gut leben und sterben können. So schrieb der Rostocker Pfarrer und Hochschullehrer Heinrich Müller (1631-1675) in einer Predigt über Mk 7,31-37 (die Heilung des Taubstummen): "Was ist tröstlicher, als dass Gott doch den Arzt Jesus sendet, der das gut macht, was der Teufel verdorben hatte? Wir wollen aus dem heutigen Evangelium uns und ihn erkennen lernen, uns soll der Taube und Stumme ein Schreck-Spiegel sein, darin wir uns selbst beschauen, als geistlich taub und stumm. Der Heiland Jesus soll uns sein ein Trost-Spiegel, darin wir ihn beschauen, als den Arzt unserer Seelen."

Gott als Seelen-Arzt zu begreifen, schließt nicht aus, ihm auch die Heilung leiblicher Krankheiten zuzutrauen. Im Übrigen werden wir in einem ganz besonderen Buch, das zu den biblischen Apokryphen zählt, nämlich bei Jesus Sirach, Kapitel 38,1-8, aufgefordert, die Heilkunst unserer Mediziner und Apotheker wert zu schätzen und gerne zu gebrauchen. Ein unübertroffenes Lob der menschlichen Heilkunst. In unseren Tagen wissen wir diese umso mehr zu schätzen. Ist es doch bewundernswert, was Ärztinnen und Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern so leisten. Sie riskieren ihre Gesundheit und verlieren sie zum Teil auch.

Mit guten Wünschen,
Ihr Pfarrer Alexander Bitzel

 

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