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Besinnung | 28. August 2020

Impuls zum Jakobusbrief

Impulse zum Jakobusbrief

"So Gott will und wir leben"

Liebe Leserin, lieber Leser!

Ein Mensch hat neulich zu mir gesagt: "Ich habe jemanden kennen gelernt. Eine Frau. Wir verste­hen uns gut. Die Frau bringt mich zum Strahlen. In zwei Wochen fahren wir in Urlaub." Wer angemessen auf diese Info reagiert, würde etwa sagen: "Ich freue mich mit Dir! Gute Zeit euch!" Seltsam, ja befremdlich wäre es, würde man mit Jak 4,15 entgegnen: "Wenn Gott will, werdet ihr leben und diese Reise tun!" In ganz frommen Kreisen – ich denke hier an russische Baptisten oder an Amisch-Leute in Nordamerika – wäre so eine Antwort vorstellbar. Bei uns wäre es eine Karikatur christlicher Frömmigkeit.

Das Merkwüdige freilich: Der Satz "Wenn Gott will, werdet ihr leben und diese Reise tun!" – dieser Satz ist zutreffend. Denn alles, was wir planen, ist auf Hoffnung hin geplant. Was die Zukunft bringt, und sei es nur morgen – niemand kann es wissen. Unser eigenes Leben ist zer­brechlich. Das Zusammenleben mit anderen noch viel mehr. Mit einem Schlag kann alles an­ders sein. Die Corona-Pandemie hat das auf bedrückende Weise deutlich gemacht. Mit einem Schlag waren geplante Urlaube nicht mehr zu machen. Waren Besuche bei anderen nicht mehr möglich. Wie viele Frischverliebte durften von heute auf morgen einander nicht mehr sehen. Ein klitzekleier Virus, ein Mikrolebewesen hat gereicht, um die Welt buchstäblich zum Stillstand zu bringen. Besonders bedrückend: solche Ereignisse sind jederzeit wieder möglich. Neuartige Viren können jederzeit neu auftauchen. Die Zerbrechlichkeit des Lebens und unserer Gemein­schaft. In Corona-Zeiten besonders deutlich.

Landläufig gibt es auf die Zerbrechlichkeit unseres Lebens zwei Reaktionen: Resignation oder Aktionismus. Der von Jakobus vorgeschlagene Umgang mit der Fragilität unseres Lebens ist besser. Zu sagen: Wir tun, was wir uns vorgenommen haben und wir tun es, so Gott will! Diese Haltung ist besser als die Wege der Resignation und des Aktionismus. Weil: Diese Haltung ent­lastet uns und kann uns zuversichtlich machen.

Jak 4,15 wendet sich an Kaufleute, die ihr Geschäft expandieren wollen: "Was ihr vorhabt, ist in Ordnung. Aber bedenkt: Ihr seid ein Rauch, der verweht." Gott schenkt Gelegenheiten, Geschäfte zu expandieren oder auch nicht. Was wir tun, liegt nicht allein in unserem Händen. Wir sind Macher, aber nicht Allesmacher oder Alleskönner. Darin besteht die Entlastung.

Ermutigend ist Jak 4,15, weil Gott zusagt, uns zu begleiten auf unseren Wegen. Mit ihm an mei­ner Seite weiß ich: Ich bin nicht allein. Und Gott liebt mich. Heißt: Alles Scheitern und alle Brü­che – letzten Endes erlebe ich durch sie hindurch: Gott meint es gut mit mir. Auch darum geht es bei Jak 4,15: "Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun".

Herzlich grüßt Pfarrer Alexander Bitzel

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