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Besinnung | 27. März 2020

Gedanken zum Leben in der „Corona-Wüste“

Gedanken zum Leben in der „Corona-Wüste“

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Liebe Gemeindemitglieder,

versprengte Menschengruppen kämpfen sich ihren Weg durch dichte Wälder oder rudimentäre Reste verfallener Gebäude, die an eine vergangene Zivilisation erinnern. Die Natur überwindet die Kultur: die Welt versinkt im roten Wüstensand.

Noch vor wenigen Wochen konnte sich niemand vorstellen, wie nah uns heute solche Filmmotive sind. Es ist zwar absurd, postapokalyptische Filme als Blaupause für die weitere Entwicklung heranzuziehen, dennoch hat sich unser Leben schlagartig gewandelt. Wir erleben eine Welt, in der unser Leben aus der Öffentlichkeit verschwindet. Die wenigen Menschen auf den Straßen zeigen, dass unsere Welt immer mehr einer Wüste gleicht.

Es wundert daher nicht, dass weltweit ähnliche Reaktionen gezeigt werden: Für eine Wüstenzeit – für das Leben in dieser „Corona-Wüste“ – braucht es Ausstattung und Vorrat. In Deutschland sind Klopapier und Mehl regelmäßig ausverkauft. Aus Sorge zu kurz zu kommen, leben viele von uns nach dem Motto: „Lieber haben und nicht brauchen als brauchen und nicht haben.“ Aber Hamstern wird zu Recht als unsolidarisch bezeichnet: Denn das, was ich habe und nicht brauche, benötigt wohl ein anderer, der braucht, aber nicht hat.

Als Christinnen und Christen ist uns gesagt, dass wir uns um das Heute im Heute sorgen sollen. Jesus erzählt gleichnishaft von den Vögeln im Himmel, die ohne ihr Zutun ernährt bleiben. Im Vater Unser bitten wir Gott: „Unser tägliches Brot gib uns heute“. Darin drückt sich die Zuversicht aus, dass für uns gesorgt sein wird. Dieses Vertrauen ist in Wüstenzeiten eine besondere Herausforderung, wie wir auch am Volk Israel sehen können. Doch wie in keiner anderen biblischen Geschichte kommt in Ex 16 zum Ausdruck, dass Gott für sein Volk sorgen wird. Jeden Tag wird es durch Manna und Wachteln gespeist – alles Hamstern ist Misstrauen in Gottes Fürsorge.

Ich höre in dieser Geschichte zwei Aspekte für unser Handeln in der „Corona-Wüste“: Wir brauchen, erstens, das Vertrauen darauf, dass unsere Versorgung sichergestellt ist. Im Glauben gründet dieses letztlich in Gott. Aber auch unsere Gesellschaft und unser Staat haben das Vertrauen verdient. Bei aller Wüstenerfahrung, die es nun auszuhalten gilt, sollte unsere Zuversicht stark bleiben, dass auch morgen die Welt weiterbesteht. Daher sind wir, zweitens, mit unserem Handeln dazu aufgefordert, dieses Zutrauen nicht zu erschüttern. Wer nur nimmt, was er braucht, der nimmt anderen nichts weg. Und wenn jemandem etwas fehlen sollte, dann will ich hoffen, dass es einen gibt, der teilt, was fehlt. Zu diesem solidarischen Handeln sehe ich uns als Christinnen und Christen in besondere Weise aufgefordert, denn mit unserem Vertrauen auf Gott können wir exemplarisch vorleben, dass wir diese Wüstenzeit überstehen werden. Leben wir dieses Vertrauen!

Vikar Johannes Vortisch

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