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Besinnung | 26. Juni 2020

Umwege

Gedanken zum Leben in der Corona-Wüste

Umwege

Bibelleser*innen stellen zuweilen die Frage: Wes­halb hat das Volk Israel für den Weg von Ägypten nach Kanaan 40 Jahre gebraucht? So weit ist die Distanz doch nicht. Jeder normale Fußgeher könnte die Strecke in kürzerer Zeit bewältigen. Zugegeben: Die Trägheit der Gruppe verlängert die Tour. Das weiß jeder, der mal mit Freunden durch den Pfälzer Wald gewandert ist. Dabei eingekehrt ist in eine der Hütten des Pfälzerwald-Vereins. Da kann eine kurze Strecke gerne mal zur Tagestour werden. Aber 40 Jahre für den Weg über die Sinaihalbinsel? Zahlreiche Umwege hat Israel offenbar gemacht. Umwege im großen Stil.

Moderne Menschen mögen keine Umwege. Auch nicht beim Wandern. Direkt steuern sie Ziele an. Je schneller Strecken bewältigt werden, desto besser. Ein dichtes Netz bequemer Autobah­nen haben wird zu diesem Zweck gebaut. Verkehr muss flüssig laufen. Vor allem der Güterver­kehr mit Lastwagen. Für den wurden die Autobahnen ja in erster Linie gebaut. Als Teil der wirt­schaftlichen Infrastruktur. Dass ich auf Autobahnen schneller in der Urlaub komme, ist ein Ne­beneffekt dieser Straßen. Auch der Schiffverkehr auf hoher See kennt Highways. Die mächtigen Frachtschiffe und Öltanker durchkreuzen die Weltmeere auf festen Routen. Besonders stark be­fahren ist die Route zwischen dem Horn von Afrika und Malaysia. Damit unser Konsumhunger in Europa rasch gestillt wird. Spielzeug und Computer. Hosen und Staubsauger. Was in Ostasien produziert wird, bringen Schiffe zu uns. Möglichst direkt. Und rasch!

Unser Weg durch die Coronazeit läuft nicht über einen geraden Highway. Er ist nicht schnörkel­los. Er braucht Zeit. Wie Israels Weg durch die Wüste läuft er. Mit Umwegen und Irrwegen. Lockerungen der Corona-Bestimmungen sind bald zögerlich, bald weiter gehend. Covid-19-Aus­brüche führen zu neuerlichen Lockdowns in den Landkreisen Gütersloh und Warendorf. Weitere Rückschläge im Coronamanagement sind zu erwarten. Wenn Spanien seine Grenzen für den Sommertourismus öffnet, sind Neuinfektionen absehbar. Umwege sind eingepreist. Mit Schleifen durch die Corona-Wüste ziehen. Da geht es uns wie Israel.

Wüstenzeiten sind keine guten Zeiten. Für Israel nicht. Für uns heute genauso wenig. Eines aber ist damals wie heute unverändert: Wir ziehen nicht alleine. Gott begleitet uns. Auf Umwegen ist er da. In Tälern und auf Höhen. Gott geht nicht nur auf geraden Straßen. Ein Leben auf der Überholspur ist kein Zeichen dafür, dass ein Mensch von Gott bevorzugt wird. Gott hat dem Mose zusagt, dass er mit Israel gehe. In der Wüste hat Mose begriffen: Gottes Begleitung ist kein graue Theorie. Ist keine fromme Floskel. Gottes Begleitung ist Hilfe. Ganz real. Ist Tröstung. Ist Zufuhr neuer Energie. In der Wüste hat Mose das immer wieder erlebt. Auf der nicht enden wol­lenden Wanderung. Die voller Entbehrungen war. Voller Rückschläge. Umwege. Ärgernisse. Auch uns begleitet Gott. Auf unseren krummen Wegen. In diesen Wüstenzeiten. Die uns eine Menge Schleifen zumuten. Wege ins Ungewisse sind. Gottes Trost möge Ihnen nahe sein, liebe Le­ser*innen!

Mit guten Wünschen
Ihr Pfarrer Alexander Bitzel

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