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Besinnung | 24. Juli 2020

Bileams Eselin

Gedanken zum Leben in der Corona-Wüste

Bileams Eselin (4.Mose 22-24)

„Die Natur kehrt zurück“, so sagen manche Tierfotografen, die in den Tagen des Corona-Shutdowns mitten in Berlin einen Fuchs gesehen oder ein Rudel badender Hirsche am Ostsee-Strand beobachten konnten. Vielleicht haben Sie in diesem Jahr auch in Feudenheim mehr Vögel gehört als sonst? Sind wir tatsächlich achtsamer gewor­den mit unseren Mitgeschöpfen, die vielleicht etwas ungestörter in unsere Nähe kamen?

Kurz vor Ende der Wüstenwanderung wird eine meiner biblischen Lieblingsgeschichten erzählt. Die eigentliche Heldin der Geschichte ist eine geschlagene und beschimpfte Eselin: Bileams Eselin, die Gottes Willen besser versteht als der Prophet, der auf ihr reitet!

Die Geschichte geht so: Das Volk Gottes ist froh über manche Lockerung und darüber, dass vielleicht die längste Zeit der Wüstenwanderung hinter ihm liegt. Es lagert sich kurz vor dem Einzug ins gelobte Land im Nachbar-Land Midian, was dem dortigen König Balak missfällt, denn so einfallendes fremdes Volk hatte man schon damals nicht gern. Für seine Soldaten sind es aber zu viele. Deshalb wird der Seher Bileam engagiert, um das Volk Gottes zu verfluchen und damit Balaks Regierungskurs abzusegnen und das Volk Gottes zu vertreiben. Bileam lässt sich nach anfänglichem Zögern auch bestechen für diese Aufgabe, wird ihm doch eine große Belohnung versprochen. Er reitet früh am Morgen los mit seiner treuen Eselin, und er sieht Gottes Engel nicht, der ihm und seiner Ese­lin den Weg versperrt. Wie kann man einen fehlgeleiteten Menschen zur Umkehr bringen, damit er nicht dem Engel Gottes ins Schwert rennt?

Die Eselin bricht schließlich unter ihm zusammen und fängt an zu sprechen – das ist eine War­nung in letzter Sekunde. Bileam besinnt sich, sagt danach nur noch, was Gott ihm aufträgt, und so wird für das Volk Gottes aus Fluch Segen!

Manch einer von uns hat in dieser Corona-Wüstenzeit dankbar erlebt, dass es vielleicht nötig ist, dass wir angehalten werden, als Einzelne und als Gesellschaft, weil Gott ungehalten ist über das, was wir so treiben. Manchmal kommen wir, die wir gerne mit unserer ganzen Autonomie mit dem Kopf durch die Wand wollen, nur zur Besinnung, wenn wir gegen unseren Willen angehal­ten werden. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich – dabei übersieht er gern die Zeichen und Hinweise auf dem Weg. Auch die von uns erzeugte Not der Natur wird von uns oft übersehen.

Es gibt zwar den witzigen Kommentar Heinrich Heines zu dieser Geschichte, er habe noch nie einen Esel wie Menschen sprechen hören, aber schon viele Menschen wie Esel. Aber jetzt, wo durch Corona vieles anders ist, als wir uns das noch vor einem Jahr hätten vor­stellen können, „spricht“ vielleicht doch mal ein Tier so zu uns, dass wir besser verstehen, dass es auch mit der Klima-Krise nicht einfach so weiter gehen kann.

Möglicherweise können wir dann auch erfahren, dass uns wie dem Bileam sogar aus der ver­flucht schwierigen Corona-Situation Segen erwächst. Es ist jedenfalls eine lohnende Aufgabe nicht mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, für sich selbst und andere Verantwortung zu übernehmen und auf die Zeichen am Weg zu achten. Hören wir auf die Natur um uns herum, seien wir in diesen Sommertagen achtsamer miteinander und mit uns selbst. Versuchen wir, achtsamer zu sein als Bileam und so klug wie seine Eselin.

Bleiben Sie fröhlich und gesegnet und möglichst gesund!
Ihre Pfarrerin Dorothee Löhr

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