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Besinnung | 15. Mai 2020

Gedanken zum Leben in der Corona-Wüste

Was würdest du mitnehmen auf eine Wüsten­wanderung? Ein Zelt vielleicht? Ein Trinkgefäß? Langlebigen Proviant, der für Vorratshaltung geeignet ist? Bücher eher nicht, aber Erinnerun­gen, Wanderlieder, Worte, Geschichten, die du in deinem Herzen mitführst, werden dir ein „Her­zensbedürfnis“ sein, dir helfen, die langen Durst-Strecken zwischen den Oasen zu überbrücken!

Das erste Gottesvolk hatte sein eigenes „Herzensbedürfnis“, seine Verbindung mit dem lebendigen Gott, in einer tragbaren Schub-Lade mit, der Bundes-Lade. In dieser Schatzkiste waren die schweren steiner­nen 10 Gebote drin, die doch das Leben leichter machen sollten. Und dieses Symbol der lebendigen Ver­bundenheit mit Gott, dieses Bundeszeichen, dieses Wüstenheiligtum blieb auch nach der Wüstenwan­derung im Zentrum des Gottesdienstes, im Allerheiligsten!

Luther hat die Bundeslade bzw. ihre Decke in seiner Übersetzung als „Gnadenthron“ bezeichnet, weil Gottes Boten, geflügelte Seraphim-Engel, drauf saßen, weil dort Gottesbegegnung geschah, weil Gott in diesem Wander-Heiligtum gegenwärtig mitzog. Der mitgehende Gnadenthron: zu seinen Füßen kann man sitzen, wie Maria, die Hörende, wie Martha, die Klagende, wie Mose, dem – genauso wie allen an­deren –, die Wüstenwanderung manchmal zu lang wurde …

Immer, wenn es wieder was zu besprechen gab, zu klagen oder zu danken, zu murren oder zu schlichten, dann ging Mose ins Zelt der Übereinkunft, zum Gnadenthron Gottes, und kam mit leuchtendem Ange­sicht wieder heraus. Denn dort offenbarte sich Gott, dort versöhnte er die Welt mit sich selbst. Die Bun­deslade war der Ort des Gebetes und der Versöhnung.

Diese Bundeslade der Wüste passte nicht ganz in den späteren Jerusalemer Tempel hinein, die langen Tragestangen schauten hinter dem Vorhang des Allerheiligsten hervor. Das verstehe ich so: Gott passt in kein Haus, die tragenden Erfahrungen mit Gott haben immer etwas „Herausragendes“. Da wo es schwer zu tragen ist, – nicht nur da, wo es schön und himmlisch ist –, sondern da, wo es drückend und schmerz­haft ist, wie die Stangen auf den Schultern, da ist Gott. Er verbirgt sich nicht im Allerheiligsten.

Seit dem Sonntag Kantate haben wir jetzt auch so eine kleine Feudenheimer Bundeslade. Sie wohnt zur­zeit in der Epiphaniaskirche, kann aber auch an andere Orte gebracht und im Freien als Altar verwendet werden. Diese Schatztruhe mit Stangen ist selbstgebaut, auch die Engel auf ihrem Deckel sind selbstge­macht, ihre Kleider bestehen aus Gesangbuch-Seiten. In diesem Schatzkasten sind symbolisch alle Lie­der und alle Worte verborgen, die unsere Verbindung mit dem lebendigen Gott stärken.

Warten wir es ab, was wir noch alles hineinzulegen haben an Wüstenerfahrungen, und was wir noch al­les herausholen werden an Tröstungen.

Pfarrerin Dorothee Löhr

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