Matthäusgemeinde Mannheim

Evangelische

Gemeinde Feudenheim

in Mannheim

Meldungen

Besinnung | 10. Juli 2020

Die Schlange an der Stange (4.Mose 21,9)

Gedanken zum Leben in der Corona-Wüste

Die Schlange an der Stange (4.Mose 21,9)

Wer nach einem Impf­stoff sucht, muss das Virus isolieren und Antikörper produzieren, muss genau hinschauen, sich mit dem Virus vertraut machen. Hinschauen hilft! Eine der merkwürdigsten Wüstengeschichten erzählt von einer Schlangenplage und ihrer Überwindung. Der Standort der Israeli­ten ist klar benannt: hinter ihnen liegt die Gefangenschaft, vor ihnen das gelobte Land. Auf dem Weg gibt´s Hindernisse, die uns bekannt vorkommen: Die Ermüdungserscheinungen der Ebene und des Alltäglichen, plötzlich sieht alles nicht mehr so einfach aus:

Welche Schlange hat dich gebissen, dass du deine Möglichkeiten in der Wüste in Frage stellst? Welcher Unzufriedenheit glaubst du gerade so sehr, dass du die Freiheit und das Leben eintauschen willst für unmittelbare aber nicht lebensnotwendige Bedürfnisse? Muss es so weit kommen, dass nur eine wirkliche Lebensbedrohung dich zur Besinnung bringt? Wie geht’s weiter? Können wir auf die Erfüllung der Verheißungen warten? Schaffen wir es, geduldig und langmütig sein, wenn es so mühsam ist? Können wir den langen Atem des Glaubens trainieren? Lohnt sich das?

So ähnlich fragten sich die Israeliten in ihrer Wüste. Sie hatten keine Lust mehr, es ekelte sie alles an. Sie hätten vielleicht gerne einen Kick bekommen, wie damals während des tollen Tanzes um das gol­dene Kalb. So murrten und haderten sie. Aber als sie in ihren genervten Selbst­gesprächen und ungeduldigen Widerreden so weit gekommen waren, entzog ihnen Gott in der Wüste für kurze Zeit seinen Schutz: Da sandte der Herr feurige Schlangen, die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben. Da kamen sie zu Mose zurück, und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir gegen den Herrn und gegen dich geredet haben. Bete zum Herrn, damit er uns von den Schlagen befreit.

Die Schlange an der Stange, viele kennen Sie als das Arztsymbol, so manche Türklinge zur Arztpraxis ist so gestaltet, es ist das Zeichen des Äskulap, der mit dem Stock und Schlange umherzog, wie Mose , dem manchmal sein Stock zur Schlange wurde und umgekehrt - ein antikes Heilszeichen: Jedes Gift kann richtig angewendet heilsam sein. Und das was zum Tod führt, kann bei richtiger Dosis lebensrettend wirken. Das Schlangengift ist nicht nur lebensbedrohlich, es kann auch retten!

Die Gefahr der Schlangen rettet das Volk aus seiner Gottesferne. Sie kommen zu Gott zurück und ver­trauen dem Zeichen des Mose, es ist nicht aus Gold, wie das Kalb. Die Schlange des Mose richtet den Blick nicht auf alles Gute und Schöne, auf das eigene Beste, sondern auf die Not, auf die eigene und auf die fremde Not. Dieses Zeichen ist aus Bronze, es sieht genauso aus, wie das Leiden selbst und es fand später seinen Platz im Jerusalemer Tempel zur Erinnerung: In der Krise selbst steckt die Chance. Die Kinder Israels lernten in ihrer Not: Die giftigen Schlangen warnen und locken zurück in ein vertrauens­volleres und näheres Verhältnis zu Gott. Die bronzene Schlange sieht genauso aus wie die Gefahr, und ist doch Medizin. Gleiches wird mit gleichem bekämpft. In der richtigen Dosis hilft das. Wer einmal in den Spiegel des Todes blickt, erkennt wie abwegig das Jammern und Hadern und Maulen und Zaudern und Zanken ist, dann ist anderes Wesentlich. Wer einmal erlebt hat, dass Gott uns retten kann in Todesnot, der wird sein Leben ändern. Die Schlange an der Stange ist Schutzmittel gegen Streit und Abfall.

Die Schlange an der Stange ist auch Vorgeschichte zum aufgerichteten Kreuz, der Tod Jesu uns vor Augen gestellt als Schutz gegen Streit und Unwichtiges. Jesus bezieht sie auf sich selbst und auf sein Sterben: Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben! Aufblicken zu Jesus am Kreuz – das hat die gleiche Wirkung wie damals in der Wüste: Wer zu ihm auf­blickt, wird gerettet! Jesus wirkt als Heilmittel, als Arznei. Die Schlange an der Stange zeigt uns, dass Jesus der Heiland ist. Auf ihn Schauen ist Medizin zum Leben. Die Schlange das Böse, die Versuchung, der Tod, die Strafe wird gewandelt zum Symbol, zur sichtbaren Erinnerung. Die Schlange an der Stange, hochaufgerichtet wie das Kreuz – ein Bild, das heilsam ist, weil es nicht ablenkt von unseren Problemen, sondern sie in den Himmel hebt, so wie Jesus den Tod in den Himmel hebt und mit ihm alles, was uns das Leben in Frage stellt. Zu ihm Aufblicken, genau hinschauen, hilft. Es erklärt nicht alles, aber es hilft!

Bleiben Sie fröhlich, behütet und möglichst gesund!

Ihre Pfarrerin Dorothee Löhr

Zurück