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Besinnung

aus dem Gemeindebrief Pfingsten 2018

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Im 16. Jahrhundert gab es in der böhmischen Stadt St. Joachimsthal einen Pfarrer mit Namen Johannes Mathesius (1504-1565). St. Joachimsthal war eine Bergbaustadt. Eine große Silbermine bot den Einwohnern Arbeit. In der Regel war diese Arbeit gefährlich. Sie bescherte dem Ort aber auch einen erheblichen Wohlstand. Mathesius kam 1532 als Schulmann nach St. Joachimsthal. 1541 wurde er Prediger, später Pfarrer daselbst. Bis zu seinem Tod blieb er dem Ort treu. Mathesius war ein direkter Schüler Martin Luthers. In Wittenberg hatte er Theologie studiert und in Luthers Haus gewohnt. Er gehörte zu denen, die am Tisch des Reformators und seiner Frau aßen. Bei dieser Gelegenheit schrieb Mathesius Tischreden des Hausherrn mit. Durch solche Mitschriebe wurden Luthers Tischreden der Nachwelt überliefert.

Als Prediger hatte Mathesius einen guten Namen. In gedruckter Form fanden seine Predigten weite Verbreitung. Noch wer heute diese Predigten liest, kann die theologische Begeisterung spüren, mit der Mathesius zu Werke ging.

Wie wir in Feudenheim war auch Mathesius ein Freund von Predigtreihen – nicht nur im Sommer! Eine seiner Predigtreihen behandelt ein Buch, das von unseren Kanzeln ganz verschwunden ist, im 16. und 17. Jahrhundert aber bei lutherischen Predigern sehr beliebt war: das Buch Jesus Sirach. Zu den Apokryphen zählt dieses Buch, also zu denjenigen Büchern, die nicht zum Kanon des Alten Testaments gehören, die aber nach Luther als Ergänzung zum Alten Testament nützlich und gut zu lesen sind. In vielen Lutherbibeln findet man die Apokryphen zwischen dem Alten und dem Neuen Testament. In Jesus Sirach 38,1-14 findet sich ein bemerkenswerter Text. Es ist ein Lob der medizinischen Heilkunst und der Arzneikunst. Jesus Sirach spricht davon, dass Gott der Schöpfer beide Künste für uns Menschen geschaffen habe. Ein Mensch, der Medizin und Arznei verachte – so heißt es weiter – der missachte die Schöpfergaben Gottes. Mathesius schlägt vor, dass man Jesus Sirach 38,4 (Der Herr läßt die Arznei aus der Erde wachsen und ein Vernünftiger verachtet sie nicht) über die Eingänge von Apotheken schreibe.

Mathesius hatte klar vor Augen: In der Natur finden sich Wirkstoffe, die eine Apothekerin gewinnt und zu Arznei vermischt. Eine Ärztin entscheidet dann, welcher Wirkstoff bei welchem Krankheitsbild zum Einsatz kommt. Auf diese Weise sorgt Gott für uns. Dieser Gedankengang ist alt und neu zugleich. Selbst auf hochspezialisierte Arzneimittel unserer Tage trifft dieser Gedankengang zu.

Die heilenden Essenzen der Schöpfung Gottes bei einem Spaziergang durch die wieder erblühte Natur zu bedenken, für Menschen danken, die fähig sind, diese Essenzen zu gewinnen und anzuwenden – alles das kann uns Heutige gemeinsam mit Mathesius hineinnehmen in das Lob Gottes. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Frühling und Sommer.

Ihr Alexander Bitzel

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