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Besinnung

aus dem Gemeindebrief Advent/Weihnachten 2017

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vor 100 Jahren fand in Russland die sogenannte Oktoberrevolution statt. Es war kein Volksaufstand, sondern die Rebellion einer kleinen Gruppe, die sich „Mehrheit“ (Bolschewiki) nannte. Ziel der Rebellion war die Befreiung der Arbeiterklasse aus Abhängigkeit und Ausbeutung. Es waren Menschen wie die Hirten auf dem Feld bei Bethlehem, also Niedriglöhner und sozial Deklassierte, für welche die Bolschewiki unter Führung Lenins vorgaben zu kämpfen. Der Umsturz in Russland vor 100 Jahren führte freilich nicht zum Ende von Knechtschaft und Unfreiheit, im Gegenteil: Lenin und seine Mitstreiter errichteten eine Erziehungsdiktatur, deren Fundament blanker Terror war. In Sachen Terror stand Lenin seinem langjährigen Nachfolger Stalin in nichts nach. Der Historiker Victor Sebestyen hat unlängst in seiner Leninbiografie (Berlin 2017) darauf hingewiesen, dass die Terrorherrschaft in den ersten Stunden nach der Oktoberrevolution begann. Am 7. Dezember bereits wurde die berüchtigte Geheimpolizei „Tscheka“ gegründet, um „Konterrevolutionäre“ zu töten. Lenin war der festen Überzeugung, dass ihm alles erlaubt sei, um sein politisches Programm durchzusetzen. Nun ist Lenin nicht der einzige Revolutionär, der meint, ein Land mit Tod und Terror überziehen zu dürfen, um ein hehres Ziel wie die Abschaffung von Ausbeutung zu erreichen. Leute wie ihn gab und gibt es einige. Fassungslos stehen wir vor den Schneisen der Verwüstung, die Gewaltherrscher – welcher politischen Couleur auch immer – hinterlassen.

Die Adventszeit ist traditionell eine Bußzeit. Es ist eine Zeit, in der wir nachdenken sollten über unsere Versäumnisse (zu allererst!) und über das Leid, das andere in unserer Welt anrichten. Deutlich werden soll, dass wir Menschenkinder nicht imstande sind, das Paradies auf Erden selber zu errichten. Weltliche Heilslehren haben noch immer in die Katastrophe geführt. Unser Tun ist bruchstückhaft und fehlerbehaftet. Wir sind bei allem, was wir tun, auf die Gnade Gottes angewiesen. Das Heil kann uns allein von Gott her erreichen. Und das Heil der Welt kommt auch zu uns: in Jesus an Weihnachten in der Krippe (Lk 2,30). Diesem Heiland entgegengehen im Vertrauen darauf, dass er uns immer wieder neue Kraft und Energie gibt, damit wir nach unseren Möglichkeiten die Welt gestalten – darum geht es in der Zeit, die vor uns liegt.

Die Hirten auf dem Feld bei Bethlehem haben in der Heiligen Nacht die Engel Gottes erlebt. Um nicht geblendet zu werden vom Licht aus der Höhe hält der Hirte auf dem Titelblatt unseres Gemeindebriefs seine rechte Hand über die Augen. Die Engel haben den Hirten das Evangelium Gottes bekannt gemacht. Die Hirten ließen sich vom Evangelium packen und gingen nach Bethlehem. An der Krippe ließen sie es zu, dass Jesus ihr Herz verändere, dass er aus ihren verzagten Herzen freudige mache, dass er aus ihnen Menschen mache, die Gott loben und preisen für alles, was sie gehört und gesehen hatten. Die Hirten wurden neue Menschen. Sie haben anderen erzählt von der Geburt Jesu. Als Weihnachtsboten wurden sie anderen Menschen zu Botschaftern, die ihnen das lösende und befreiende Wort Gottes brachten. Sie und ihre NachfolgerInnen bringen in besonderen Momenten den Himmel Gottes in die Welt – immer wieder neu. Lassen auch Sie sich von der Weihnachtsbotschaft erreichen. Mit guten Wünschen für die kommende Zeit bin ich

Ihr Pfarrer Alexander Bitzel

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